Rosina Gschwind (1841-1904)

Rosina Gschwind-Hofer wurde als Kind des Bären-Wirtes Johann Hofer mit dem Taufnamen Maria Rosina in Biglen (BE) geboren. Nach einem Welschlandaufenthalt wollte sie zuerst Modistin werden. Sie ergriff dann jedoch die Möglichkeit, in Bern das Lehrerinnenseminar zu besuchen. Ihr Examen bestand sie mit Auszeichnung. Danach unterrichtete sie vier Jahre lang in Steffisburg und Thun. Im Jahr 1866 heiratete Rosina Hofer überraschend den Geschäftsmann Rudolf Zeller. Er war Witwer und brachte zwei Töchter mit in die Ehe. Gemeinsam wurden sie Eltern eines Buben. 1875 starb Zeller nach langer Krankheit, während der er von seiner Gattin gepflegt wurde.

 

Die Witwe Rosina Zeller-Hofer liquidierte das Geschäft ihres verstorbenen Mannes und verheiratete sich bald darauf erneut: Ihr zweiter Ehemann war Paulin Gschwind, Pfarrer in Starrkirch-Wil (SO) und Leiter der altkatholischen Bewegung. Die Ehe der Protestantin mit dem christkatholischen Pfarrer erregte einiges Aufsehen. Sie waren das erste christkatholische Pfarrehepaar in der Schweiz und Rosina Geschwind wurde noch einmal Mutter von zwei Söhnen. Als Pfarrfrau betreute sie die Arbeiterfamilien im Pfarrkreis ihres Mannes und wurde durch deren Elend aufgerüttelt. Mit 40 Jahren besuchte Gschwind einen Kochlehrerinnenkurs des Schweizerischen Gemeinnützigen Frauenvereins (SGF) und wurde eine anerkannte Autorität in Hauswirtschaftsfragen. In Kaiseraugst (AG), wo die Familie seit der Übernahme des dortigen Pfarramtes wohnte, eröffnete sie 1899 eine eigene Haushaltungsschule. Bereits 1888 wurde Rosina Gschwind erste Präsidentin des in Aarau gegründeten SGF.